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Westfälischer Kunstverein Münster

Porträt: Westfälischer Kunstverein Münster Wozu ein Verein für zeitgenössische Kunst? Künstler und Künstlerinnen produzieren die Kunst an der Akademie oder im Atelier, die Besucher sehen sie sich später im Museum an. Doch was passiert in der Zwischenzeit und wer spricht und diskutiert über die aktuelle Kunst, damit sie Teil unseres Alltags wird? Hier besetzt der Kunstverein eine wesentliche Verbindungsstelle zwischen Kunstproduktion und ihrer Diskussion. Mit den Ausstellungen internationaler aktueller Kunst im Westfälischen Kunstverein ...

Porträt: Westfälischer Kunstverein Münster


Wozu ein Verein für zeitgenössische Kunst? Künstler und Künstlerinnen
produzieren die Kunst an der Akademie oder im Atelier, die Besucher sehen sie
sich später im Museum an. Doch was passiert in der Zwischenzeit und wer
spricht und diskutiert über die aktuelle Kunst, damit sie Teil unseres Alltags wird?
Hier besetzt der Kunstverein eine wesentliche Verbindungsstelle zwischen
Kunstproduktion und ihrer Diskussion. Mit den Ausstellungen internationaler
aktueller Kunst im Westfälischen Kunstverein wird einerseits gezeigt, womit sich
Künstler und Künstlerinnen heute auseinandersetzen, andererseits Besuchern die
Chance gegeben, zu verstehen und auch zu bewerten, welche Bedeutung diese
Kunst in der Gesellschaft einnehmen kann.

Gerade im letzten Jahrzehnt haben die Kunstvereine an Bedeutung gewonnen. In
einer Zeit, da Museen einen inhaltlichen Spagat zwischen Finanznotständen der
Gemeinden und von den Massenmedien geprägten Forderungen nach
Spektakulärem und Publikumsträchtigem leisten müssen, haben sich die von
jeher mit kleineren Etats, aber auch weniger Personal und Bürokratie
ausgestatteten Kunstvereine als besonders leistungsfähig erwiesen. Häufige,
gewollte Direktorenwechsel, und der Anspruch, aktuelle Kunst in einem frühen
Stadium und aus einer durchaus subjektiv gefärbten Perspektive zu zeigen,
haben sie als Institutionen lebendig und beweglich gehalten.

Als besonderer Vorteil hat sich nun gerade die oft mit dem negativen Image
‚Vereinsmeierei' belegte Mitgliederstruktur herausgestellt. Jeder Kunstverein bringt
sein Publikum schon mit sich, was zum einen den Mythos dessen, ‚was Besucher
wollen' zumeist schnell entkräften kann, zum anderen eine Auseinandersetzung
der jeweiligen künstlerischen Leitung mit dem Laienpublikum einfordert. Die
Vermittlung zeitgenössischer Kunst in Ausstellungen, Künstlergesprächen,
Vorträgen und Kunstreisen ist daher die zentrale Aufgabe der Kunstvereine. Im
Westfälischen Kunstverein wird dieses Programm mit der traditionellen
Unterstützung des Filmclubs Münster durch Filmvorführungen im Schlosstheater
und Jazzkonzerte im Foyer des Landesmuseums erweitert.

Der Westfälische Kunstverein ist mit ungefähr 1000 Mitgliedern einer der größten,
und mit seiner Gründung im Jahr 1831, einer der ältesten Kunstvereine. Er
entstand aus einer privaten Initiative von Bürgern, die sich den Erhalt und die
Sammlung der damals von der Säkularisation bedrohten Kunst zum Ziel gesetzt
hatten, eine Ausrichtung, die schon zur Jahrhundertwende, aber dezidiert nach
dem Zweiten Weltkrieg auf die aktuelle Kunst verändert wurde. Seine Sammlung,
deren Hauptwerke vom Soester Antependium der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts
bis zu Josef Albers' Bild Protected Blue von 1957 reichen, befindet sich heute als
Dauerleihgaben in der Schausammlung des Landesmuseums. Die Sammlung wird
seit den 1980er Jahren mit Arbeiten auf Papier weitergeführt. Heute wie damals
wird somit privates Geld für die Schaffung einer Öffentlichkeit für Kunst investiert.
Beispielhaft für dieses Vorgehen steht heute der große Stein des Bildhauers Ulrich
Rückriem (Untitled, 1985), den der Kunstverein in den 1980er Jahren ankaufte,
vor dem Landesmuseum, in dem der Westfälische Kunstverein seinen Sitz hat.

Der Ausstellungsraum des Kunstvereins, der sich im ersten Stock des
Museumsneubaus befindet, hat sich seit den 1970er Jahren bewährt. Seine
charakteristische Form eines großen (270 m2), längsgerichteten Raums mit der
abgetreppten Rückwand und der Oberlichtdecke, die dem Raum helles Tageslicht
gewährt, ist inzwischen Behältnis und Gegenstand sehr verschiedener
Installationen gewesen. Belebte der amerikanische Bildhauer Serge Spitzer ihn mit
Tennisbällen, die aus verborgenen Wurfmaschinen hinter eingestellten Wänden
hervorschossen, bezogen ihn Künstler wie Ulrich Erben, Sol LeWitt, Günther Förg
und zuletzt Olaf Nicolai mit Wandmalereien in seiner Gesamtheit ein. Neben
Einzelausstellungen internationaler Künstler und Künstlerinnen lenkten
verschiedene Direktoren und Direktorinnen das Augenmerk auf aktuelle Themen,
zu denen sie Arbeiten zusammentrugen. In den letzten Jahren können dafür die
Ausstellungen Fragen an vier Bilder (1993), eine Präsentation von vier Bildern von
Agnes Martin, Edward Hopper, Ad Reinhardt und Claude Lorrain, die provozierte,
Zusammenhänge zu sehen und zu befragen, believe (2001), die zuletzt die Frage
nach dem Verhältnis von Religiosität und Kunst stellte sowie jüngst formal social
stehen, die am Beispiel aktueller Fotografie fragte, wie Künstler und Künstlerinnen
heute in ihrer eigenen Sprache zum politischen und sozialen Alltag Stellung
beziehen können.

Gerade die thematischen Ausstellungen und die sie begleitenden Vortragsreihen
lassen dabei ein aktuelles Forum für die Diskussion zeitgenössischer Kunst
entstehen. Wird dieses Forum von Studierenden der Kunstakademie gerade in
den letzten Jahren wahrgenommen, verwundert es doch, wie wenig Studierende
anderer Fachrichtungen den Weg zu den Eröffnungen und scheinbar auch
Ausstellungen finden. Obwohl der Eintritt frei ist und der Kunstverein mit seiner
Lage direkter Nachbar der geisteswissenschaftlichen Institute ist, scheint hier ein
Informations- oder Interessensdefizit vorzuliegen. Der Westfälische Kunstverein
wird sich weiterhin bemühen, Studierende anzusprechen, wobei der für eine
Universität einzigartige Senatssausschuß für Kunst und Kultur ein Glücksfall ist,
der diese Ansprache erleichtern kann.

Es hängt wesentlich von den Betrachtern ab, ob aktuelle Kunst weiterhin
präsentiert und diskutiert werden kann. Vergleiche mit anderen Ländern zeigen,
dass Institutionen wie die Kunstvereine keine Selbstverständlichkeit sind und
darüber hinaus auf dem Engagement von Mitgliedern, Vorstand und anderen
Mitarbeitern gründen. Diese Personen vereint die Überzeugung, dass Kunst
weiterhin einen Teil unserer Mediengesellschaft einnehmen kann und sollte. Wenn
man will, dass Kunst nicht nur historisch, sondern auch aktuell unser Leben
bestimmt, erfordert das zumindest die Wahrnehmung des Angebots aktueller
Kunst. Fernsehen kann man immer noch.

Von Carina Plath

Allgemeines:

Der Ausstellungsraum des Westfälischen Kunstvereins befindet sich in der ersten
Etage im Neubau des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und
Kulturgeschichte.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 -18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21
Uhr,
der Eintritt ist frei.

Mitgliedsbeiträge/Jahr:
€ 50 einfache Mitgliedschaft
€ 10 zusätzliche Familienkarte
€ 25 Schüler/Studenten

Mitglieder werden regelmäßig über die Aktivitäten des Kunstvereins unterrichtet,
haben freien Eintritt zu den Ausstellungen des Landesmuseums und den anderen
deutschen Kunstvereinen, ermäßigten Eintritt zu Veranstaltungen des Jazzclubs
und des Filmclubs im Schlosstheater und erhalten die Kataloge und Jahresgaben
des Kunstvereins zu günstigen Preisen.

Der Kunstverein veranstaltet regelmäßig Vorträge, Führungen und Reisen zu
wichtigen Kunstereignissen im In- und Ausland.



Weitere Informationen unter www.westfaelischer-kunstverein.de

Kontakt
Büro: +49 251 46157
Tel.: +49 251 45479
wkv@muenster.de
westfaelischer-kunstverein.de
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    Westfälischer Kunstverein Münster
    Domplatz 10
    48143 Münster (Westf.)
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