Elke Twiesselmann-Preis: Folkwang Musical-Absolventin Constanza Pérez de Lara Bonatti ausgezeichnet

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24. April 2026

Am 19. April wurde im Bochumer Schauspielhaus der mit 2.000 Euro dotierte Elke Twiesselmann-Preis für an der Folkwang Universität der Künste ausgebildete Nachwuchsspielerinnen verliehen. Ausgezeichnet wurde die Musical-Absolventin Constanza Pérez de Lara Bonatti.

Die Ausschreibung zum dritten Elke Twiesselmann-Preis richtete sich an Folkwang Absolventinnen der Studiengänge Schauspiel und Musical der Jahrgänge 2025 und 2026. Sie waren dazu aufgerufen, eine an die Spezifik des weiblichen Blickes angebundene praktische Theaterarbeit und eine darstellerische Auseinandersetzung mit Christa Wolfs „Kassandra“ einzureichen. Außerdem sollten sie sich in einem Essay mit folgendem Satz aus der Erzählung auseinandersetzen: „Scheint es Dir abwegig, zu glauben, dass ‚das Denken‘, hätten Frauen seit über zweitausend Jahren an ihm mitgedacht, heute ein andres Leben führen würde?“

Die diesjährige Jury bestand aus zwei Vertreterinnen des Zonta Clubs Bochum, Dr. Melanie Herrmann und Sigrid Blennemann, der Theaterregisseurin Sabine auf der Heyde und Anita Iselin, Professorin für Regie und Rollenstudium an der Folkwang Universität der Künste. Den Vorsitz der Jury hatte Folkwang Professorin und Schauspielerin Daniela Holtz inne. 

In dem Juryurteil heißt es zu Constanza Pérez de Lara Bonatti: Sie „hat in ihrer Einreichung zum diesjährigen Elke Twiesselmann-Preis auf komplexe Weise den Kassandra-Stoff vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen von struktureller Gewalt gegen Frauen in ihrem Heimatland Mexiko weitergedacht. Sie hat dafür eine Bildsprache in ihrer Videoarbeit gefunden, die sich mit ihrem Essay ‚Archive von Erfahrung‘ verbindet und über die Kassandra-Geschichte hinausweist. Sie stellt die Frage, was Frauen geschieht, die ihre Stimme erheben und benutzen. Mit ihrer Einreichung hat sie eine eigenständige, neue künstlerische Position geschaffen.“

Zu Constanza Pérez de Lara Bonatti
Constanza Pérez de Lara Bonatti wurde 1998 in Mexico City geboren. Mit 19 Jahren zog sie nach Deutschland, um hier eine Karriere als Schauspielerin zu verfolgen. Von 2021 bis 2025 studierte sie Musical an der Folkwang Universität der Künste und stand in dieser Zeit u. a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, der Oper Dortmund und dem Deutschen Theater München auf der Bühne. Neben ihrer Arbeit als Performerin entwickelt sie eigene Projekte – zuletzt eine Produktion in Kollaboration mit dem Studiengang Bühnenbild der Universität der Künste Berlin, die im Februar 2026 im Ballhaus Ost Premiere feierte. Sie ist seit 2025 in Florentina Holzingers „A Year Without Summer" an der Volksbühne Berlin und international zu sehen; 2026 folgt mit „Seaworld Venice" die nächste gemeinsame Arbeit bei der 61. Biennale von Venedig.

Zum Elke Twiesselmann-Preis
Die vom Zonta Club Bochum gestiftete Auszeichnung geht an Studentinnen oder frisch gekürte Absolventinnen der Studiengänge Schauspiel und Musical der Folkwang Universität der Künste. Der Elke Twiesselmann-Preis wurde 2021 erstmalig ausgelobt und ist der erste Nachwuchsspielerinnen-Preis in Deutschland. Er sucht, fördert und animiert die Teilnehmerinnen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie sich die Spezifik des weiblichen Blicks auf der Bühne im Gegensatz zum uns bekannten Theater ästhetisch und darstellerisch abbilden könnte und mit welchen neuen Themen dieser Blick das Theater verändern kann. 

Über die Namensgeberin des Preises
Die Schauspielerin Elke Twiesselmann (*1927) war Mitbegründerin des Zonta Clubs Bochum. Sie wirkte zwölf Jahre als Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum, bis sie 1972 an das Staatstheater Stuttgart wechselte. An der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart unterrichtete sie über zwei Jahrzehnte Rollenstudium. Elke Twiesselmann stand noch im hohen Alter als Ensemblemitglied auf der Bühne des Schauspiel Stuttgart. Sie verstarb 2021 im Alter von 94 Jahren.