Engelbecken, das ist ein realer Ort zwischen Berlin-Mitte und Berlin-Kreuzberg, und eine Metapher: für die tödliche Landschaft der Mauer. Im Westen drückte sie dort die Passanten auf einem knapp zwei Meter schmalen Bürgersteig zusammen, im Osten überragten Ruinen den Todesstreifen, der sich durch die Stadt furchte. Und das Wort Engelbecken lässt sich teilen, in Ecken, die stoßen, Enge, die bedrückt, oder auch Engel, die man liebt: in ordnende Zwischentitel.
Der Essayfilm führt in die 1980er-Jahre, in den Vorabend des Mauerfalls und in die oppositionelle Subkultur in Ost-Berlin, Prenzlauer Berg. Er verzichtet auf viele Elemente des klassischen Dokumentarfilms, vermittelt stattdessen die Ratlosigkeit, Ohnmacht, Beengung, Bedrohung, auch die Paranoia dieser Jahre. Es ist eine Zeit, in der die Regisseure Gamma Bak (Berlin-West) und Steffen Reck (Berlin-Ost) eine Beziehung – trotz der Mauer – zu leben versuchten. Gehen oder Bleiben? Die Geschichte einer Flucht aus der DDR im Jahr 1988: Steffen Reck, Gründungsmitglied von „Zinnober“, der ersten und wohl auch einzigen freien Theatergruppe „der Republik“, erinnert sich hier an sein Gastspiel ohne Rückkehr. Der Film spiegelt den immer stärkeren äußeren und auch inneren Druck, der zur Entscheidung führt, zum Exil.
Gamma Bak erinnert sich an ihr damaliges Leben im 26-Stundentag: Sie konnte jeweils von 0 Uhr des einen bis 2 h morgens des folgenden Tages bei ihrem Geliebten bleiben – und versuchen, ihm in der Bedrängnis beizustehen. Absurd dazu die Dokumente von Zollerklärungen – 1 Paar Feinstrumpfhosen, 1 Flasche Sekt – und die Spitzelberichte der Grenzpolizei. Engelbecken lässt Reflexionen über Schuld und Verrat entstehen, erzählt mit persönlichen Dokumenten von damals: Super-8, Fotos, Film- und Theaterausschnitte, unter anderem aus der legendären Inszenierung „traum haft“, Nur-Ton-Interviews. Dazu Archivmaterialien der Stasibehörde, über Steffen Reck und die „Westbürgerin“ Gamma Bak, und auch und gerade über die Aktivitäten des immer wieder halbillegalen Zinnober-Kollektivs.
So wie es Zinnober in "traum haft" gelang, kollektiv die Situation des Einzelnen poetisch zu lokalisieren und den in der DDR erlebten Abgrund zwischen Individuum und Gesellschaft im Drama zu artikulieren, gelingt es den beiden Regisseuren hier, aus Realitätssplittern die Atmosphäre Ost-Berlins vor der Wende zusammen zu fügen.
Ein radikal subjektiver und deshalb stimmiger Beitrag zum 25. Jubiläumsjahr des Mauerfalls. (Axel Besteher)
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