Prädikat besonders wertvoll Wer bei dem Titel DIE WEITE SUCHEN an eine sperrige Dokumentation mit doppeldeutigem Titel denkt liegt falsch. Falk Schusters muntere Animation ist genauso heiter wie informativ. Nicht einmal die umfangreiche Serie „So war die DDR“ hat der Jury so viel über das Leben im sozialistischen Teil Deutschlands erzählt wie die 29 ½ Minuten dieses Films.
Viel, viel Eingemachtes, größere und kleinere Tauschartikel, und natürlich auch die Volkspolizei und Grenzer. Mit seinem Blick auf den Sommerurlaub seiner Familie, 1987 an der Ostsee, verrät Schusters DIE WEITE SUCHEN viel darüber, wie die DDR “funktioniert“ hat. Der Film erzählt vom Urlaubsgefühl der Kinder, vom Fernweh der Eltern und der Geschäftstüchtigkeit der Vermieter und Ostseeanwohner.
Begeistert zeigte sich die Jury von der präzisen Grafik des Films. Die angewendete Technik der Rotoskopie ist Fleißarbeit, erlaubt DIE WEITE SUCHEN aber eine adäquate Abstraktion und Reduktion, mit viel Sinn für Details. Durch die reduzierte Bildsprache lässt der Kurzfilm Raum für die Vorstellungskraft und kann seine inhaltliche Vielfalt umso stärker an sein Publikum tragen.
So aufwändig gestaltet DIE WEITE SUCHEN ist, so hervorragend ist der Film auch recherchiert. Anhänger packen, Westkennzeichen zählen, Schlange stehen; in der der Sichtung angeschlossenen Diskussion zeigte sich die Jury beeindruckt von Schusters wacher Erinnerung an die DDR und den Lebensalltag seinerzeit. Bis ins Detail hinein spürt er nicht nur dem mitmenschlichen Nebeneinander, sondern auch ganz Nebensächlichem, wie Plastikkörben, Sonnenschirmen, Töpfen, Radios und Armaturen, nach. Kleinen Dingen, die, wie die Jury glaubt, den DDR-Alltag manchmal besser wiedergeben als großartige Erklärungen. Dinge, die bei einem Teil der Jury tatsächlich auch Erinnerungen an die eigene Kindheit wachgerufen haben.
Trotz der gezeigten, historischen Sicherheit lobt die Jury die verblüffende Leichtigkeit, mit der DIE WEITE SUCHEN beeindruckt hat. Auch hier waren es wieder die sympathischen Kleinigkeiten und Details, mit denen Schusters Film überzeugen konnte. So etwa das Stolpern eines uniformierten Grenzsoldaten über ein achtlos am Strand liegendes Plastikeimerchen, das auf die Jury durchaus real wirkte und dennoch, mit einem kleinen Augenzwinkern, zeigte, wie verwundbar der Überwachungsstaat im Innersten doch war.
Schusters Film neigt niemals zur Ungenauigkeit oder gar Verklärung. Immer wieder, aus Sicht der Kinder erzählend, konserviert er einen kleinen Abschnitt aus dem Leben in der DDR und bereichert ihn, dort, wo das kindliche Verständnis nicht ausreicht, mit Interviews von Eltern und damaligen Vermietern. Und sogar in dieser lebhaft ungefilterten Aussage der Interviewpartner schwingt immer mit, dass man damals wie heute akzeptiert hat, wie das Leben in der DDR war.
DIE WEITE SUCHEN hat die Jury inhaltlich wie auch formell voll auf überzeugt, so dass sie dem Film einstimmig das Prädikat „besonders wertvoll“ verliehen hat.
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