Frauen liegen auf der Straße. Bewegungslos. Schweigend. Erschöpft und doch voller Kraft – Kraft für einen stillen Aufschrei. Zunächst sind es nur einige Frauen, die sich vor das örtliche Krankenhaus legen. Mit der Zeit legen sich viele mehr an weiteren Plätzen der Stadt dazu. Es sind Frauen, die sich der gesellschaftlichen Erwartung entziehen, dass sie diejenigen seien, die mit unermüdlicher und unter- und unbezahlter Care-Arbeit das System am Laufen halten müssen.
Elin ist eine erfolgreiche Influencerin – umgeben von Luxusgütern dreht sich ihr ...
Frauen liegen auf der Straße. Bewegungslos. Schweigend. Erschöpft und doch voller Kraft – Kraft für einen stillen Aufschrei. Zunächst sind es nur einige Frauen, die sich vor das örtliche Krankenhaus legen. Mit der Zeit legen sich viele mehr an weiteren Plätzen der Stadt dazu. Es sind Frauen, die sich der gesellschaftlichen Erwartung entziehen, dass sie diejenigen seien, die mit unermüdlicher und unter- und unbezahlter Care-Arbeit das System am Laufen halten müssen.
Elin ist eine erfolgreiche Influencerin – umgeben von Luxusgütern dreht sich ihr Leben um die Selbstinszenierung ihrer Person, ihres Körpers. Fankommentare, Hassnachrichten, wechselnde Sexualpartner, kein Innehalten, kein Ausruhen für noch mehr Klicks. Nuri steckt in Schwierigkeiten und unterbezahlten, unfairen Jobs – nachts mixt er Drinks in Diskotheken, tags schiebt er Betten in einem Krankenhaus und abends liefert er Pizzen an diejenigen, die erschöpft vom Tag nicht mehr selbst kochen wollen. Ruth arbeitet unentwegt als Pflegekraft im Krankenhaus – begleitet seit Jahrzehnten Kranke und Sterbende in einem unterbesetzen System. Ein Mann, zwei Frauen. Drei Lebenswege und noch viele Wege mehr kreuzen sich in diesem stillen Protest gegen ein prekäres und kapitalistisches System, das auf Ausbeutung und Überlastung basiert.
Was folgt, sind zwei sich gegenüberstehende Phänomene: Zum Einen ist es ein Chaos, das deutlich macht, was passieren würde, wenn Frauen, die für selbstverständlich gehaltenen und ihnen zugesprochenen Aufgaben niederlegten und die Frage nach der Veränderbarkeit von Traditionen und Verhältnissen stellten. Und zum Anderen entsteht ein Zusammenhalt der sich auflehnenden
Menschen, gegenseitiges Verständnis und Fürsorge. All dies steht dem Chaos und den Anfeindungen – still – gegenüber.
Mareike Fallwickl ist mit ihrem feministischen Gesellschaftsroman UND ALLE SO STILL für das Lieblingsbuch des Deutschschweizer Buchhandels 2025 nominiert. Die 1983 geborene österreichische Autorin schaffte 2018 ihr Debüt mit Dunkelgrün fast schwarz. Mit Das Licht ist hier viel heller (2019) und Die Wut, die bleibt (2022 und derzeit die Lektüre bei Bonn liest ein Buch) entwickelt sie sich mit Themen wie Machtmissbrauch, weibliche Selbstbestimmung, Freundschaften und Abhängigkeiten zu einer Autorin, die sich für weibliche Erzählstimmen einsetzt.
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