Ein Fluss tritt über die Ufer und es kommt zutage, was zu lang am Grund lag. Da treiben ein rotes Kleid, ein Fahrrad, eine Halskette, löchrige Schuhe, … und da treibt eine Frauenleiche. Vielleicht auch mehr als eine.
Drei Generationen und ihre Lebensgeschichten treffen im endlosen Strom des Flusses in STAUBFRAU aufeinander. Da ist die Großmutter. Ihre beste Freundin wurde als junge Frau von einem Mann erst ungelenk umworben, dann vergewaltigt und schließlich ermordet. Da ist eine Mutter, die die Demütigungen in ihrer gewaltvollen Ehe still ertrug ...
Ein Fluss tritt über die Ufer und es kommt zutage, was zu lang am Grund lag. Da treiben ein rotes Kleid, ein Fahrrad, eine Halskette, löchrige Schuhe, … und da treibt eine Frauenleiche. Vielleicht auch mehr als eine.
Drei Generationen und ihre Lebensgeschichten treffen im endlosen Strom des Flusses in STAUBFRAU aufeinander. Da ist die Großmutter. Ihre beste Freundin wurde als junge Frau von einem Mann erst ungelenk umworben, dann vergewaltigt und schließlich ermordet. Da ist eine Mutter, die die Demütigungen in ihrer gewaltvollen Ehe still ertrug und keinen Ausweg fand. Und da ist die Jüngste, auch eine Mutter, die in ihrer Beziehung immer wieder häuslicher Gewalt ausgesetzt ist. Die versucht, Karriere und Care Work in Einklang zu bringen. Immer wieder will sie gehen, will ihren Mann verlassen, doch Zweifel holen sie ein: Ist er nicht ein guter Vater, den alle mögen? Ist alles überhaupt so schlimm? Und ist sie nicht selbst schuld? Ihre Zeit läuft rückwärts, bis es 21:54 Uhr ist und der Körper zu Staub zerfällt.
Dem Fluss der Gewalt können die Frauen nicht entkommen, doch die Jüngste versucht, sich gegen den Strom zu stemmen, nicht bloß weiter zu treiben, versucht Muster abzulegen, die Frauen über Generationen verinnerlicht haben. Femizide werde gerne als Eifersuchtsdrama, Beziehungstat, Trennungstötung beschrieben, aber sie sind Mord aus patriachalen Motiven. Gewalt gegen Frauen ist kein Thema der Vergangenheit und noch immer findet sie hauptsächlich in den eigenen vier Wänden statt.
Mit STAUBFRAU hat Maria Milisavljević eine vielstimmige poetische Anklageschrift gegen das Patriarchat geschrieben – einen kraftvollen Text über Femizid und strukturelle Gewalt an Frauen. Einen Text, der das Schweigen bricht: Die Scham muss die Seite wechseln. Mit vielen ihrer Stücke wie STAUBFRAU oder Blutschwester über Gewalt gegen Frauen und weibliche Wut, zeigt Milisavljević wie tief patriarchale Strukturen in Familie, Medizin, Justiz und Theater stecken – und wie Kunst Frauen Stimme und Sichtbarkeit gibt.
Maria Milisavljević ist Dramatikerin, Übersetzerin und promovierte Kulturwissenschaftlerin. Sie gehört zu den wichtigsten Autoren- und Autorinnenstimmen des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters. Aufgeführt wurden ihre Stücke an Theatern wie dem Deutschen Theater Berlin, dem Burgtheater in Wien, dem Residenztheater München, dem Schauspielhaus Zürich, dem Thalia Theater Hamburg sowie international an Häusern in New York, London, Tokyo, Brasilien und Mexiko.
Sie wurde für ihre Arbeit u. a. mit dem Kleistförderpreis für junge Dramatik sowie dem Autorenpreis des Heidelberger Stückemarkts und dem Else-Lasker-Schüler-Stückepreis ausgezeichnet. Ihr Stück STAUBFRAU wurde 2025 sowohl mit dem Mülheimer Dramatikpreis, dem wichtigsten Preis für deutschsprachige Gegenwartsdramatik, als auch mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. 2026 wurde Maria Milisavljević die 13. Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik verliehen und wurde mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikpreis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.
Mit vielen ihrer Stücke, wie STAUBFRAU oder Blutschwester, zeigt Milisavljević, wie tief patriarchale, misogyne Strukturen in unserer Gegenwart in Familie, Medizin, Justiz oder dem Theater verwurzelt sind – und wie dramatische Literatur Frauen Stimme und Sichtbarkeit gibt, Perspektiven wechseln kann und wie kraftvoll weibliche Wut ist. Aktuell arbeitet sie an Tränentochter, dem finalen Stück ihrer Trilogie über geschlechtsspezifische Gewalt.
Maria Milisavljević‘ Texte sind poetisch, sprachlich und politisch eindringlich und erzählen von alltäglicher Wirklichkeit verbunden mit (utopischen) Entwürfen von Gemeinschaft, empathischem Miteinander und ehrlicher Solidarität.
Jula Marie Kühl kommt gebürtig aus Hannover, wo sie zuerst im Schultheater und dann auch in einigen Jugendproduktionen des Staatstheaters selber auf der Bühne stand. Nach ihrem Abitur im Jahr 2019 ging sie für ein Jahr nach Aachen, um dort als FSJlerin in der Theaterpädagogik und Musikvermittlung zu arbeiten. Sie inszenierte in dieser Zeit mit der Schauspielerin Luise Berndt zusammen William Goldings HERR DER FLIEGEN mit einigen Jugendlichen aus Aachen. 2023 hat sie ihr Dramaturgie-Studium in Leipzig abgeschlossen und arbeitete anschließend bis 2026 am Theater Bonn als Regieassistentin. Hier inszenierte sie in der Spielzeit 24/25 WIE MAN NACH EINEM MASSAKER HUMANISTISCH BLEIBT IN 17 SCHRITTEN von Maya Arad Yasur und gestaltete maßgeblich das Assistierenden-Format FREISCHWIMMEN mit.
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