Tomaz Pandur
Tomaz Pandur
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widmete sich zunächst intensiv der Malerei, gründete aber bereits 1979, noch als Schüler, seine erste eigene Theatertruppe, der er den Namen „Thespiskarren – Neues Slowenisches Theater“ gab. Eine der Initialzündungen seiner gestalterischen Identität mag er im Alter von sechzehn Jahren in der Berührung mit den Ideen Antonin Artauds erfahren haben. Zudem beflügelt von der Begegnung mit namh...
widmete sich zunächst intensiv der Malerei, gründete aber bereits 1979, noch als Schüler, seine erste eigene Theatertruppe, der er den Namen „Thespiskarren – Neues Slowenisches Theater“ gab. Eine der Initialzündungen seiner gestalterischen Identität mag er im Alter von sechzehn Jahren in der Berührung mit den Ideen Antonin Artauds erfahren haben. Zudem beflügelt von der Begegnung mit namhaften Künstlern des damaligen Jugoslawiens wurde seine früheste Inszenierung „Kafka“ von der Kritik als ein Meisterwerk erkannt, an dem sich seine stilistischen Kunstgriffe der bewussten gestalterischen Synthese aller Mittel des Theaters bereits ablesen ließen.
Was Tomaz Pandur selbst als sein „Theater der Träume“ bezeichnet, lebte bereits in den Anfängen von der Gestaltung vielschichtiger, paralleler Welten, die in seinen Inszenierungen Zeit und Raum durchdringen und ihre Kraft im Erlebnis des Publikums entfalten. Stets bespielte er mit seiner Truppe nicht nur traditionelle Bühnen, sondern eroberte auch Parks oder die urbanen Landschaften seiner Heimat. In die Praxis flossen neben vielen anderen solche Theaterformen wie Kathakali, No, Kabuki oder Butoh ein, die Pandur auf ausgedehnten Reisen während seines Regie-Studiums an der Akademie für Theater, Film und Fernsehen Ljubljana kennen lernte.
Nach seinem Abschluss an der Universität Ljubljana wurde Tomaz Pandur von 1989 bis 1996 zum Schauspieldirektor des Slowenischen Nationaltheaters Maribor ernannt. Mit seinem Ensemble eroberte er zunächst die Festival-Landschaft seiner Heimat, wo er mit Begeisterung aufgenommen wurde, strahlte aber sehr bald in die internationale Theaterwelt aus: als preisgekrönter Botschafter und „Enfant terrible“ der südosteuropäischen Theaterlandschaft zugleich. Seine Inszenierungen widmete er Themen wie „Hedda Gabler“ (1988), „Scheherazade“ (1989), „Faust I & II“ (1991), Hamlet“ (1992), „La Divina Commedia“ (zuerst 1994, 2001 für das Thalia Theater in Hamburg), „Russian Mission“ (1995), „Babylon“ (1996), Goran Bregovic‘ Oper „Silence Of The Balkan“ (1997), „Dictionary of the Khazars“ (2002), „Onehundred Minutes“ (2003, in Anlehnung an Dostojewskis „Brüder Karamasow“), Leoš Janáčeks „Aus einem Totenhaus“ (2004, für die Oper Bonn), „Inferno“ (2005), das Tanzstück „Alas“ (2006, in Zusammenarbeit mit Nacho Duatos Compañía Nacional de Danza), „Tesla Electric Company“ (2006), „Barroco (2007), Albert Camus‘ „Caligula“ (2008), „Hamlet“ (2009), „Medea“ (2009). Mehrere seiner Prouktionen wurden für das Fernsehen gefilmt oder adaptiert, Kultur-Redaktionen solcher Sender wie Arte oder das ORF widmeten ihm Portraits. Der Fotoband „Pandur’s Theatre Of Dreams“von 2007 illustriert seine Arbeit, als einer der Protagonisten des so genannten postdramatischen Theaters steht er regelmäßig im Mittelpunkt theater- und kulturwissenschaftlicher Publikationen.
Tomaz Pandur widmet sich seit Beginn seiner Laufbahn ausdrücklich jenen Aspekten und Phänomenen des Theaters, die sich traditionell jeder zielgerichteten Analyse entziehen. Was in der Theaterwissenschaft seit Mitte der Achtzigerjahre mit dem Begriff „Theatralität“ beschrieben wird, findet auf der Website von „Pandur.Theaters“ folgende Formulierung und meint doch das gleiche: „Den gesamten Prozess seiner Kreativität widmet Tomaz Pandur der Suche nach dem Augenblicklichen des Theaters selbst, insofern als dieser Aspekt der empfindlichste Teil des Theaters ist, in dem sich die Erfahrung unserer gesamten Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet.“
Seine heutige eigene Truppe „Pandur.Theaters“ gründete Tomaz Pandur 2002 als eine internationale Theaterorganisation, die sich zum einen als nicht-institutionalisiertes Theater-Netzwerk versteht, über das sich Kooperationen mit Festivals oder Institutionen aller Art verwirklichen lassen. Zum anderen betont Pandurs Organisation den Charakter eines Laboratoriums, das es ermöglicht, die verschiedensten künstlerischen Ausdrucksformen miteinander in Verbindung zu bringen, um einen interkulturellen und genreübergreifenden kreativen Dialog immer wieder neu zu eröffnen als ein „Theater für das neue Jahrtausend“.
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Foto: Aljosa Rebolj