kultur datenbank

Suche

Ein Projekt von:

VERANSTALTUNGEN KULTURSCHAFFENDE EINRICHTUNGEN Bibliotheken Museen Musikszene VIDEOTHEK DIE KULTURDATENBANK DAS NETZWERK GO MOBILE DATENSCHUTZ HOME
PARTNER NEWS
Industriekultur in NRW
Orte, Veranstaltungen, Links und jetzt neu: die Industriegeschichte der Regionen weiter
 

Suchen
EmpfehlenEmpfehlen
DruckansichtDruckansicht
BearbeitenBearbeiten
->www.berlintrab.de
->#ZWQuYmFydG5pbHJlYiMjI3Z0Yg==#

->Stadtplan
->Deutsche Bahn
Trabrennbahn Karlshorst
<< zurück
Sport / Freizeit | Veranstaltungsort
Treskowallee 129
10318 Berlin [ Lichtenberg ]
 
Seit 1884 ist der Pferdesport auf der Trabrennbahn Karlshorst zu Hause. Zu den Anfangszeiten wurde der Sport von Herrenreitern, Landedelmänner und Offizieren geprägt. Damals ging es für die Pferde unter dem Sattel dieser elitären Gesellschaft über Hindernisse, und schon damals begeisterten die rassigen Pferde die Massen.

Der 1881 gegründete \'Verein für Hindernisrennen\' musste nach gescheiterten Pachtverhandlungen für die bis dahin in Charlottenburg befindliche Rennbahn nach einem Ausweichgelände suchen und fand dieses Gelände in Karlshorst. Dort erwarb der Verein das rund 300 Morgen große Areal vom Gutsherren Sigismund von Treskow, nach dem die Straße, an der die heutige Trabrennbahn Karlshorst liegt, benannt ist.

Am 9. Mai des Jahres 1884 wurde die erste Rennveranstaltung abgehalten, die zu einer wahren Völkerwanderung in die Wuhlheide führte. Dennoch waren sich die Vereinsvertreter damals nicht so sicher, ob sie mit dem Kauf des Geländes in Karlshorst den richtigen Schritt getan hatten. Noch immer war man der Meinung, dass man sich besser in Zehlendorf, das damals auch zur Debatte stand, niedergelassen hätte.

Nach dem 1. Weltkrieg fand das sogenannte Herrenreiten nicht mehr zur alten Blüte zurück. Dennoch blieb Karlshorst die Wiege des Hindernissports, der nun zunehmend von Berufsreitern dominiert wurde.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde in Karlshorst ein ganz neues Kapitel geschrieben. Der sowjetische Stadtkommandant, General Nikolai Bersarin, der wenig später unter tragischen Umständen ums Leben kam, wurde von dem unermüdlichen Trabermann Kurt Bading davon überzeugt, die Bahn schon kurz nach dem Kriegsende wieder für Rennen freizugeben. Und so wurden schon am 1. Juli 1945 die ersten Trabrennen im Nachkriegsdeutschland durchgeführt. Die Pferde, die die Bombenangriffe in Mariendorf überlebt hatten und die Traber, die in den Kriegswirren in viele Himmelsrichtungen verbracht worden waren, wurden unter großen Mühen eingesammelt und nach Karlshorst beordert. Das erste Rennen gewann am 1. Juli 1945 übrigens der unvergessene Hans Malik mit Dedy.

Neben anderen ist vor allem Gerhard Krüger als Beispiel dafür zu erwähnen, dass in Karlshorst viele, später erfolgreiche Trainer ihr Handwerk erlernten. Charlie und Johnny Mills, Johannes Frömming und andere Größen des Trabrennsports prägten das sportliche Geschehen in der Wuhlheide. Es war unter anderem auch den Leistungen der Karlshorster Verantwortlichen so früh nach dem Krieg zu verdanken, dass andere alliierte Stellen ihre Zustimmung zur Wiedereröffnung der Trabrennbahn Mariendorf im Jahr 1946 gaben.

Bald aber wirkten sich die politisch begründeten Systemunterschiede auch auf den Trabrennsport aus. Im Jahr 1949 erhielt Mariendorf den Zuschlag für die Austragung des Derbys, Karlshorst veranstaltete daraufhin ein \'eigenes\' Derby. Trotz der zunehmenden Entfremdung blieb der Zuschauerzuspruch in Karlshorst konstant. Der wirkliche Bruch kam dann aber durch den Bau der Mauer, der viele Aktive dazu bewog, sich fest für das westliche Mariendorf zu entscheiden.

Unter dem Diktat der SED erhielt der Trabrennsport eine etwas andere Gewichtung als zuvor. Hervorgehoben wurde vor allem der Freizeitwert für die ostdeutsche Bevölkerung, während züchterische und sportliche Aspekte nicht mehr ganz so entscheidend waren. Privattrainer wurden allenfalls noch geduldet und im Vergleich zu den volkseigenen Trainern deutlich benachteiligt. Sowohl die beiden Zuchtstätten Prieros und Lindenhof als auch die Trabrennbahn an sich standen unter der Regie des VEB Trabergestüte und Trabrennbahn, befanden sich somit in einer Hand.

Zu den bestimmenden Größen des DDR-Rennsports gehörten vor allem Werner Bandermann, Horst Pätzel, Werner Gläser und Manfred Stendel, nicht vergessen sollte man aber auch die \'Privaten\' wie beispielsweise Harald Japke, Winfried Janecke oder Gerhard Hamann.

Im Jahre 1985 wurde die Trabrennbahn Karlshorst umgebaut und mit einem 1200-Meter-Geläuf versehen, dass von der Linienführung her an die Mariendorfer Piste erinnert.

Auch als im November 1989 das Volk seine Zukunft selbst in die Hand nahm, wurde in Karlshorst weiter veranstaltet. Die Mariendorfer boten ihre Hilfe an. Schon 1990 wurde der Elektronentoto eingeführt, und der eine oder andere Mariendorfer Trainer gab dem Kollegen im Ostteil der Stadt seine Hilfestellung. Zur Wendezeit trieben allerdings auch die sogenannten \'Schnäppchen-Jäger\' ihr Unwesen, und viele Pferde wechselten zu Tiefstkursen ihre Besitzer, ohne dass die damals verantwortlichen Trainer auch nur hätten ein Veto einlegen können.

Nach Verhandlungen mit der Trabergestüte und Trabrennbahn GmbH übernahm der Trabrenn-Verein Mariendorf ab 1991 die Amtsgeschäfte als Pächter. Schnell zeigte sich jedoch, dass die längst gefallene Mauer in den Köpfen hüben wie drüben noch immer stand. Man machte sich gegenseitig Vorwürfe, die Kluft zwischen Ost und West wurde größer, und schließlich wurde der Rennverein Trabrennpark Karlshorst von den sogenannten \'Alt-Karlshorstern\' gegründet, der ab 1995 die Geschäfte führte. Schon vier Jahre später stand der Verein vor dem finanziellen Aus. Die Fortführung des Rennbetriebs war gefährdet, doch rauften sich die Eigentümerin des Geländes, die Trabergestüte und Trabrennbahn GmbH, der Berliner Senat, die Bezirke Lichtenberg und Tempelhof und der seit dem 1. Juli 2000 in den Berliner Trabrenn-Verein umbenannte, frühere TVM wieder zusammen, so dass der Bestand der Trabrennbahn Karlshorst gesichert werden konnte.

Inzwischen sind alle Rennveranstaltungen der Trabrennbahn Karlshorst bundesweit per Satellit und Decoder zu empfangen, was zu einem deutlichen Anstieg der Außenumsätze führt. Im Jahr 2002 werden in Karlshorst ab April mittwochs Rennveranstaltungen jeweils ab 18 Uhr durchgeführt. Der Eintritt ist frei.